Alzheimer Gesellschaft Dresden e.V.

Infektionsschutz und Lebensqualität in Pflegeheimen in der Corona-Pandemie

Stephan Förster | 18. Mai 2021

Gedanken der Alzheimer Gesellschaft Dresden e.V.

Menschen mit Demenz in Pflegeheimen brauchen den Kontakt zu ihren Angehörigen. Im Frühjahr 2020 wurden teils gravierende Besuchseinschränkungen in Pflegeheimen eingeführt. Bewohnerinnen und Bewohner durften keinen Besuch von Angehörigen mehr empfangen. Teilweise wurden zudem die Kontakte zu den anderen Bewohnerinnen und Bewohnern drastisch eingeschränkt. Trotz anderslautender Forderungen und Empfehlungen wiederholt sich dieses Vorgehen, seitdem im Herbst die Infektionszahlen in Deutschland wieder stark steigen.

Hauptziel dieser Maßnahmen war und ist der Gesundheitsschutz. Selbstverständlich ist dies nachvollziehbar und der Schutz vor Ansteckung wichtig. Die Erfahrung der letzten Monate zeigt jedoch, dass insbesondere ein absolutes Kontaktverbot erhebliche seelische Schäden zur Folge haben kann, sowohl bei den Pflegeheimbewohnerinnen und -bewohnern als auch bei den Angehörigen. Wenn Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeeinrichtungen das Haus oder sogar das Zimmer nicht mehr verlassen dürfen, bedeutet dies für Menschen mit einer fortgeschrittenen Demenz oft großes Leid. Sie können die Maßnahmen nicht verstehen und reagieren darauf entweder mit Rückzug oder mit gesteigerter Unruhe und Aggressivität. Dies wiederum führt unter Umständen zu einem häufigeren Einsatz von sedierenden Medikamenten und Neuroleptika, die sonst nicht erforderlich wären.

Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft hat seit Beginn der Corona-Pandemie die beteiligten Behörden und Einrichtungen dringend dazu aufgerufen, Besuchsbeschränkungen bzw. -verbote auf ihre Verhältnismäßigkeit zu überprüfen.

Als hilfreich haben sich dabei Besuchskonzepte erwiesen. Diese beschreiben einrichtungsspezifische Regelungen für Besuche in Pflegeheimen. Ziel ist es, Besuche zu ermöglichen und dabei den Infektionsschutz so gut es geht sicher zu stellen.

Sie regeln u.a. die Durchführung von Corona- Schnelltests vor Zutritt, Anforderung an Besuchsräume oder Hygienemaßnahmen während der Besuche. Auch das Vorgehen bei Menschen mit Demenz oder bei Sterbenden, sollte beschrieben sein.

Entsprechende Maßnahmen sollten immer gemeinsam mit den Bewohnern, den Angehörigenvertretungen und dem Gesundheitsamt geplant werden.

Abschließend noch ein Gedanke:

Wer rastet, der rostet. Ein altes Sprichwort, dass immer noch gilt. Wer in einem Altenheim lebt, ist auf Hilfe angewiesen, um beweglich zu bleiben. Corona schränkt diese Angebote erheblich ein.

Ein Problem ist, dass die Förderung von Bewegung in den internen Leitlinien der Pflegeeinrichtungen nicht vorgesehen ist. Die Aufgaben, dazu zählen beispielsweise Gleichgewichtsübungen und Training des Reaktionsvermögens werden größtenteils von externen Dienstleistern erfüllt, die während des Lockdowns im Frühjahr teilweise keinen Zutritt zu den Heimen hatten.

Spaziergänge können hier Abhilfe schaffen und oft lässt Bewegung sich im Pflegealltag einbinden, wie z.B. das Steigen von Treppen bietet eine Möglichkeit von vielen, um Bewegung in den Alltag zu integrieren. Auch das mehrmalige Aufstehen vom Stuhl, ohne die Hände zu benutzen, ist ein Training welches wichtige Muskelgruppen der unteren Extremitäten trainiert.

Viele Senioreneinrichtungen bieten auch in Zeiten von Corona Bewegungsprogramme an. Die Bewohner trainieren meistens in Kleingruppen. Die Freude über Bewegung und Kontakt zu anderen ist groß. Die Gruppen sollten nach Wohnbereichen getrennt stattfinden. Die Gruppengröße richtet sich nach der Raumgröße und der Mindestabstand muss leicht eingehalten werden können.

Wir führen Schulungen zum Thema Demenz und Bewegung im Pflegealltag durch.

Gern können Sie uns dazu unter der Telefonnummer 0351/41 38 45 80 anrufen oder per mail unter info@alzheimergesellschaft-dresden.de kontaktieren.

 

Text: Peggy Hammerschmidt

Alzheimer Gesellschaft Dresden e.V.